Mama mit Krebs

Ich war bereits seit 2,5 Jahren Mama, als ich die Diagnose Brustkrebs bekam.  Zweifach Mama war ich allerdings erst seit fünf Wochen und ich dachte, dass ich die kommenden Monate mit kurzen Nächten und Stillproblemen zu tun haben würde.  Doch mein Weg sollte anders voran gehen.

Meine Erfahrung als Mutter bis zu dem Zeitpunkt der Diagnose war, dass man als Mutter immer irgendwie funktionieren muss.  Egal, ob mit Kopfweh, Erkältung und anderen Infekten – die Kinder brauchen die gleiche Aufmerksamkeit und Fürsorge. Als Mutter ist man es gewohnt, sich oft hinten an zu stellen und immer zuerst an die Kinder zu denken.

Und dann kam der Zeitpunkt an dem ich merkte, dass dies alles ziemlicher Blödsinn ist. Eine Mutter muss nicht immer stark sein. Eine Mutter braucht Zeit für sich.  Eine Mutter muss glücklich sein, um eine gute Mutter sein zu können.

Meine Kinder erlebten mich schwach.  Während der Chemo konnte ich wegen der Infektionsgefahr  meine Tochter häufig  nicht selbst aus dem Kindergarten holen,  ich konnte sie nicht mehr viel tragen, ich durfte meine Kinder nicht auf den Mund küssen, ich brauchte mehr Schlaf. Nach meinen Operationen durfte ich über Wochen nichts heben, nicht einmal mein Baby.  Mein Mann musste ihn mir in den Arm legen, wenn ich bereits saß. Die Kinder mussten über Monate mit meinen Operationswunden sehr vorsichtig sein.  Ich zeigte meinen Kindern, dass ich krank war, versuchte aber auch immer zu zeigen, dass das in Ordnung ist und ich wieder gesund werde.  Wenn ich Schlaf brauchte, machte ich anschließend etwas besonders Schönes mit den Kindern.  Wenn ich meine Kinder nicht küssen durfte, wurde umso mehr gekuschelt. Statt zu toben, las ich Bücher und malte. Ich war immer für meine Kinder da, nur ein wenig anders als zuvor.

Meine Kinder sind fröhlich, liebevoll und sehr sozial.  Ich hatte bei der Diagnosestellung unheimlich Sorge, dass meine fast drei jährige Tochter sehr unter meiner Behandlung leiden müsste und ich zu meinem Baby keine feste Bindung aufbauen werde.  Beide Sorgen waren vollkommen unbegründet.  Kinder verstehen enorm viel und können sehr einfühlsam sein.  Eine Mama muss nicht immer funktionieren. Das Wichtige ist, seinen Kindern ein Gefühl der Sicherheit, der Normalität und der Ehrlichkeit zu geben.  Ich sagte offen, dass ich krank bin und Medizin brauche um wieder gesund werden zu können.  Weil ich mir auch sicher war, dass es so sein wird und alles wieder in Ordnung kommt,  haben meine Kinder dies nie angezweifelt. Sicherheit und Zuverlässigkeit,  Liebe und Geborgenheit – all das ist das wirklich Wichtige.  All das konnte ich auch weiterhin geben.

Viele meiner Aufgaben übernahm mein Mann,  damit ich mich auf mich selbst und die Kinder konzentrieren konnte.  Zu meinem Sohn konnte ich eine sehr innige Bindung aufbauen.  Gerade wenn ich von der Chemo nach Hause kam und mein Mann mir mein Baby zum Kuscheln ins Bett gelegt hat,  hat mir das ein so besonderes Gefühl gegeben. Alles andere war dann irgendwie unwichtig. Die Kinder sorgten für so viel Ablenkung,  Spaß und für eine wunderbare Normalität, von der ich mich gerne mitreißen ließ.

Ich akzeptierte meine vorübergehenden Schwächen und freute mich einfach darüber, dass ich ansonsten normal am Alltag meiner Kinder teilnehmen konnte und ich ihnen noch immer ein behütetes Zuhause gab.

Natürlich hat mein Mann dies alles überhaupt erst ermöglicht und er hat durch meine Erkrankung viel Zeit mit den Kindern verbracht und eine so intensive Bindung aufbauen können, wie es sonst nicht der Fall gewesen wäre.  Ich wäre normalerweise nach einem Jahr nach der Geburt des Kleinen wieder arbeiten gegangen.  Nun konnte ich länger für meine Kinder zu Hause sein.

Wir sind als Familie an der Erkrankung gewachsen anstatt Schäden davon zu tragen.  Mamas müssen nicht perfekt sein. Wenn meine Kinder etwas daraus gelernt haben, ist es sicher: “Egal was kommt, wir sind für einander da!”

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Die Sache mit dem Kontrollverlust

Nachdem ich meine Diagnose Brustkrebs erhielt, gab es unzählige Termine, Behandlungspläne, Anträge, Medikamente und Gespräche. Die Ärzte schienen sich ihrer Sache sicher. Sie schienen auf alles eine Antwort zu haben und wussten jeder Nebenwirkung entgegen zu treten. Ärzte verschiedener Fachrichtungen berieten sich, setzten sich zusammen und erstellten einen für mich angepassten Therapieplan, um eine bestmögliche Behandlung durchzuführen. Ich wurde aufgeklärt über die Wirkungsweise, den eventuellen Nebenwirkungen und den gesamten Ablauf.
Und dann ist man an dem Punkt angekommen, wo andere Menschen dein komplettes Leben organisieren, man auf andere Menschen und deren Fachwissen angewiesen ist. Krebs löst nicht nur Sorgen und Ängste aus, sondern verursacht auch immer einen großen Kontrollverlust. Man kann wenig selbst bestimmen, ist hilfsbedürftig und braucht Vertrauen. Vertrauen in die Ärzte, den Medikamenten und in sich selbst. Der Kontrollverlust macht Angst, egal in welcher Situation. In dem Moment in dem dein Leben abhängig vom Können anderer Menschen ist, beginnt eine Zeit der Ungewissheit. Durch den Verlust der Haare, sehen Außenstehende einem die Erkrankung unweigerlich an. Egal, ob man es eigentlich erzählen möchte oder nicht. Auch das kann man nicht selbst bestimmen. Was wir aber können ist zu entscheiden, wie wir mit dem Unvermeidlichen umgehen. Wir können versuchen einen Weg für uns selbst zu finden, selbst der Krankheit offen entgegentreten und uns nicht in Sorgen und Ängsten verlieren. Niemand weiß was kommt – und dabei ist es egal, ob man nun schwer erkrankt oder gesund ist. Niemand weiß, was der nächste Tag mit sich bringt, wie lange wir hier auf Erden sein dürfen und was das Leben noch für uns bereit hält. Krebs macht Angst, weil einem die Endlichkeit vor Augen geführt wird. Dabei wird das Leben für jeden einmal enden müssen. Deswegen sollten wir jeden Tag genießen, dankbar sein für das, was wir haben, anstatt nur zu sehen, was wir nicht haben. Ich war schwer krank, aber trotzdem waren alle schönen Dinge in meinem Leben unverändert und waren nicht weniger wert geworden. Die Dinge für die ich zuvor dankbar war, waren noch genauso da. Mein Leben wurde nicht weniger wert. Und ich bekam die Chance mein Leben mithilfe der Medizin verlängern zu dürfen. Wenn man es schafft, den Kontrollverlust und die Ungewissheit zu akzeptieren, kann man soviel Frieden finden und seine Kraft auf die wichtigen Dinge konzentrieren. Ich lebe nicht für morgen und auch nicht für gestern. Ich lebe jetzt und bin dankbar für jeden Tag, an dem ich meine Kinder in ihrem Leben begleiten darf. Mir hat der Krebs gezeigt, dass nichts selbstverständlich ist und wir die Zeit genießen sollten. Ich sehe vieles bewusster, bin entspannter und dankbarer geworden. So habe ich für mich selbst auch Positives aus der Erfahrung mitnehmen können.

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Haarlos – aber nicht kopflos

Die wohl bekannteste Nebenwirkung einer aggressiven Chemotherapie ist der Haarausfall.

Zunächst einmal sei gesagt, dass es viele Arten der Chemotherapie gibt und nicht alle zum Haarausfall führen. Bei den Medikamenten, die zur Behandlung von Brustkrebs zur Verfügung stehen, ist es jedoch die Regel, dass ein Haarverlust früher oder später eintreten wird. Nachdem ich meine Diagnose erhielt, wurde ich von den Ärzten auch sofort darauf vorbereitet, dass meine Haare ausfallen werden und bekam ein Rezept für eine Perücke mit, die ich mir im Frisörsalon bestellte. In meiner Umgebung hörte ich auch ständig den Satz: “Oh nein, deine schönen langen Haare!” Auch wurde davon ausgegangen, dass es für Frauen besonders schlimm sei. Tatsächlich lernte ich in der Chemozeit einige Frauen kennen, die sehr unter dem Haarverlust litten. Der Großteil nahm dies allerdings als gegeben an.

Wie ich mit dem Haarverlust klar kam? Mir war das vollkommen egal. Zunächst einmal waren mir alle Nebenwirkungen, die temporär waren, egal. Mir zeigte der Haarverlust, dass die Chemo wirkte, meine Zellen auf die Therapie ansprachen und mir somit halfen gesund zu werden. Für mich war das veränderte Aussehen ein kleiner Preis dafür, die Chance zu bekommen, meine Kinder aufwachsen zu sehen. Zudem habe ich durch meine haarlose Zeit tatsächlich auch viel Schönes lernen können.

Mein Mann und meine Kinder sind so selbstverständlich damit umgegangen; ich fühlte mich so sehr geliebt, wie noch nie zuvor. Ohne von Äußerlichkeiten abgelenkt zu sein, spürte man einfach diese tiefe Verbindung zwischen Menschen, die sich lieben und das war wunderbar. Meine Familie machte es mir leicht, damit umzugehen und es einfach als normal anzunehmen. Meine Perücke trug ich vielleicht 3mal zu besonderen Anlässen, ansonsten trug ich Mützen. Das passte sowieso ganz gut, da gerade Winter war und ich nicht so sehr auffiel.

Zugegeben braucht man schon ein sehr gutes Selbstbewusstsein und Menschen, die einen lieben, um sich von der Haarlosigkeit nicht runter ziehen zu lassen. Man sieht einfach anders aus, man sieht krank aus und erkennt sich im Spiegel kaum wieder. Ich empfand es einfach als unangenehm, weil es unglaublich kalt war und mir meine morgendliche Routine der Haarpflege fehlte. Auch jetzt mit meinen noch kurzen Haaren fehlt es mir, meine Haare zu flechten oder ähnliches – da bin ich froh, dass ich das bei meiner Tochter machen kann. Und meine Haare wachsen wirklich schnell und toll!

Den Haarverlust auf dem Kopf fande ich persönlich übrigens weniger schlimm, als am Körper. Als die Wimpern und Augenbrauen ausfielen, sah ich einfach so krank aus. Das erste was ich morgens tat, war mich zu schminken, damit ich mich wohl fühlte. Das machte mich dann schon manchmal traurig, dass ich mich schminken musste, um mich überhaupt unter Leute zu trauen. Aber realistisch gesehen, macht das wohl ein Großteil der gesunden Frauen sowieso.

Die Kopfhaare begannen ca. 10 Tage nach meiner ersten Chemo auszufallen. Ich habe nicht lange gewartet und mir beim Frisör die Haare gleich abrasieren lassen und habe meine Perücke abgeholt. Ich wollte nicht zusehen, wie nach und nach überall Haare in der Wohnung liegen und nichts halten, was nicht bleiben kann. Immerhin konnte ich in einer Zeit des totalen Kontrollverlusts noch selber bestimmen, wann ich meine Haare verliere. Als ich mich dann im Spiegel sah, kam mir der Gedanke “Wie siehst du jetzt nur aus. Ob die Kinder nun Angst bekommen?” Da liefen mir schon ein paar Tränen über die Wange. Mein Mann hatte mich zum Frisör begleitet, küsste mich und sagte, ich sei wunderschön und meine tollen Augen kämen nun viel besser zur Geltung. Wenn ich zu Hause mit Mütze rum lief, sagte er immer, ich solle das nicht tun, weil ich ohne viel besser aussehen würde. Er hat mir so viel Mut, Kraft und Sicherheit gegeben und ich bin ihm so dankbar dafür! Meine Augenbrauen und Wimpern fielen ca. nach 2,5 Monaten nach meiner ersten Chemo aus.

Ich machte in der Zeit einen Schminkkurs vom DKMS, der ganz tolle Tipps mit sich brachte, sodass der Haarverlust im Gesicht kaum auffiel. Ich möchte jedem ans Herz legen für dieses tolle Projekt an die DKMS zu spenden, da die Seminare kostenfrei für die Patientinnen sind und über Spenden finanziert werden.

Etwa 6 Wochen nach meiner letzten Chemo begannen meine Haare dann wieder zu wachsen. Die Augenbrauen und Wimpern waren recht schnell binnen 3 Wochen wieder da, fielen aber zunächst immer wieder aus, aber das konnte man gut kaschieren. Meine Haare ließ ich zunächst zwei Monate wachsen. Da sie durch die Chemo zunächst weiß wieder kamen, ließ ich sie mir dann bei Frisör tönen und ein wenig zurecht schneiden. Es war ein so unbeschreibliches Gefühl wieder ohne Mütze unterwegs zu sein und sich keine Gedanken zu machen, wo die Mütze ist, bevor man die Haustür öffnet.

Aberwie gesagt: Die Mütze begleitete mich ca. 7 Monate -ein kleiner Zeitraum meines Lebens. Man muss versuchen, sich und die Situation zu akzeptieren und etwas Schönes daraus mitzunehmen. Ich habe durch die Erfahrung mehr zu mir gefunden, als  jemals zuvor.

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Die Operation

Wie bereits in einem vorherigen Artikel erwähnt, erhielt ich vor der Operation eine Chemotherapie über einen Zeitraum von ca. 4,5 Monaten. Nachdem ich meine letzte Chemo bekommen habe, musste ich ca. 6 Wochen warten, bis endlich die langersehnte Operation erfolgen konnte. Nach Abschluss der Chemo mussten sich erst einmal die Blutwerte normalisieren, damit eine Operation ohne erhöhtes Blutungs- oder Infektionsrisiko möglich ist. „Die Operation“ weiterlesen

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Die Chemotherapie – dein Freund!

Meine Primärtherapie begann nicht mit der Operation, sondern mit der Chemotherapie. Am Anfang hört es sich erschreckend an, den Tumor weitere fünf bis sechs Monate in der Brust zu tragen. Doch diese Vorgehensweise fand ich großartig. Der große Vorteil ist ganz einfach, dass man sehen kann, ob die Medikamente anschlagen. Ich konnte quasi nach jeder Einheit spüren, wie sich der Tumor verkleinerte und im Ultraschall sehen, dass dieser zum Ende der Behandlung zu 80% geschrumpft war. Der Rest konnte dann in der Operation entfernt werden.

„Die Chemotherapie – dein Freund!“ weiterlesen

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Die Diagnose

Ich war im achten Monat schwanger, als ich unter der Dusche eine Verhärtung in meiner Brust bemerkte. Es war meine zweite Schwangerschaft und ich hatte bereits etwas Milchfluss. Entsprechend dachte ich, es würde sich sicher um schwangerschaftsbedingte Veränderungen handeln. Trotzdem berichtete ich wenige Tage danach bereits meiner Hebamme und meinem Gynäkologen von der bemerkten Veränderung. Da sich das Brustgewebe in der Schwangerschaft natürlich stark verändert, wurde der Verhärtung keine Aufmerksamkeit zuteil. „Die Diagnose“ weiterlesen

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Drei Worte – Sie haben Brustkrebs

Wenn Frauen in meinem Alter davon sprechen, dass drei Worte ihr Leben verändert haben, sind es wohl meist folgende: “Ich liebe dich!” oder “Sie sind schwanger!”
Die drei Worte, die vor ca. 14 Monaten mein Leben ordentlich auf den Kopf stellten, waren: “Sie haben Brustkrebs”. „Drei Worte – Sie haben Brustkrebs“ weiterlesen

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