Die Sache mit dem Kontrollverlust

Nachdem ich meine Diagnose Brustkrebs erhielt, gab es unzählige Termine, Behandlungspläne, Anträge, Medikamente und Gespräche. Die Ärzte schienen sich ihrer Sache sicher. Sie schienen auf alles eine Antwort zu haben und wussten jeder Nebenwirkung entgegen zu treten. Ärzte verschiedener Fachrichtungen berieten sich, setzten sich zusammen und erstellten einen für mich angepassten Therapieplan, um eine bestmögliche Behandlung durchzuführen. Ich wurde aufgeklärt über die Wirkungsweise, den eventuellen Nebenwirkungen und den gesamten Ablauf.
Und dann ist man an dem Punkt angekommen, wo andere Menschen dein komplettes Leben organisieren, man auf andere Menschen und deren Fachwissen angewiesen ist. Krebs löst nicht nur Sorgen und Ängste aus, sondern verursacht auch immer einen großen Kontrollverlust. Man kann wenig selbst bestimmen, ist hilfsbedürftig und braucht Vertrauen. Vertrauen in die Ärzte, den Medikamenten und in sich selbst. Der Kontrollverlust macht Angst, egal in welcher Situation. In dem Moment in dem dein Leben abhängig vom Können anderer Menschen ist, beginnt eine Zeit der Ungewissheit. Durch den Verlust der Haare, sehen Außenstehende einem die Erkrankung unweigerlich an. Egal, ob man es eigentlich erzählen möchte oder nicht. Auch das kann man nicht selbst bestimmen. Was wir aber können ist zu entscheiden, wie wir mit dem Unvermeidlichen umgehen. Wir können versuchen einen Weg für uns selbst zu finden, selbst der Krankheit offen entgegentreten und uns nicht in Sorgen und Ängsten verlieren. Niemand weiß was kommt – und dabei ist es egal, ob man nun schwer erkrankt oder gesund ist. Niemand weiß, was der nächste Tag mit sich bringt, wie lange wir hier auf Erden sein dürfen und was das Leben noch für uns bereit hält. Krebs macht Angst, weil einem die Endlichkeit vor Augen geführt wird. Dabei wird das Leben für jeden einmal enden müssen. Deswegen sollten wir jeden Tag genießen, dankbar sein für das, was wir haben, anstatt nur zu sehen, was wir nicht haben. Ich war schwer krank, aber trotzdem waren alle schönen Dinge in meinem Leben unverändert und waren nicht weniger wert geworden. Die Dinge für die ich zuvor dankbar war, waren noch genauso da. Mein Leben wurde nicht weniger wert. Und ich bekam die Chance mein Leben mithilfe der Medizin verlängern zu dürfen. Wenn man es schafft, den Kontrollverlust und die Ungewissheit zu akzeptieren, kann man soviel Frieden finden und seine Kraft auf die wichtigen Dinge konzentrieren. Ich lebe nicht für morgen und auch nicht für gestern. Ich lebe jetzt und bin dankbar für jeden Tag, an dem ich meine Kinder in ihrem Leben begleiten darf. Mir hat der Krebs gezeigt, dass nichts selbstverständlich ist und wir die Zeit genießen sollten. Ich sehe vieles bewusster, bin entspannter und dankbarer geworden. So habe ich für mich selbst auch Positives aus der Erfahrung mitnehmen können.

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2 Antworten auf „Die Sache mit dem Kontrollverlust“

  1. Du hast einen sehr schönen Blog! Durch Zufall bin ich über Google auf Deine Seite gekommen, habe mich gerade durch Deine Beiträge gelesen und Deinen Blog auch gleich abonniert.

    Auch ich bin Krebspatientin und finde mich in vielen Deiner Worte wieder.

    Wenn Du magst, schau gerne mal auf meinem Blog vorbei (www.early50.de). Ich schreibe auch über meine Erlebnisse mit und ohne die Krankheit.

    Ich wünsche Dir alles Gute!

    Ganz liebe Grüße
    Heike (Early50)

    1. Liebe Heike,

      ganz lieben Dank für dein tolles Feedback. Ich freue mich von Herzen und werde gerne auch bei dir vorbei schauen. Ich wünsche dir weiterhin alles Liebe und sende dir viele Grüße. Kristin

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