Die Bestrahlung

Zu meinem Behandlungsplan gehörte abschließend für die Primärtherapie eine Bestrahlung der behandelten Brust. Insgesamt erhielt ich 37 dieser Bestrahlungen.

Nachdem der Tumor vollständig entfernt werden konnte, musste ich ca. 5 Wochen warten, bis meine Operationswunde so weit abgeheilt war, dass wir mit der Bestrahlung beginnen konnten. Natürlich gab es zuerst wieder ein Aufklärungsgespräch im Krankenhaus über jegliche mögliche Nebenwirkungen, die nun wieder einmal auf mich zukommen könnten. Nachdem ich auch schon während der Chemo und nach der Operation feststellte, dass das Leiden an Nebenwirkungen nicht immer die Regel ist, hoffte ich, auch die Bestrahlung so gut zu meistern. Immerhin bestätigte schon jeder im Vorwege, dass die Bestrahlung im Vergleich zur Chemo wenig Nebenwirkungen haben sollte. Ich staunte darüber, wie gezielte hochdosierte Röntgenstrahlen nun eventuell in der Brust verbliebene Tumorzellen zerstören sollten und wie durch eine genaue Einstellung der Strahlenposition die inneren Organe kaum getroffen werden sollten. Zunächst wurde meine Strahlendosis und das zu bestrahlende Gebiet bestimmt. Anschließend wurde das Gerät genau auf mich eingestellt und auf meinem Körper einige Markierungen gemacht, damit ich bei jeder Bestrahlung exakt gleich liege und somit immer genau das gleiche Gebiet bestrahlt werden kann. Entsprechend musste ich dafür sorgen, über den gesamten Zeitraum der Bestrahlung die Markierungen auf meinem Körper zu behalten. Die Bestrahlung war kurz und schmerzlos. Ich legte mich auf eine Liege, das Gerät wurde auf mich eingestellt, per Ansage erhielt ich Anweisungen wie ich während der Bestrahlung zu atmen habe und dann wurde für ca. 3 Minuten meine Brust bestrahlt. Von der Bestrahlung an sich merkte ich nichts.  Die Bestrahlungen erfolgten täglich von Montag bis Freitag, außer an Feiertagen und umfassten somit für mich einen Zeitraum von acht Wochen. Acht Wochen täglich für ca. 20 Minuten ins Krankenhaus fahren und dann wieder nach Hause. Die Organisation im Krankenhaus war großartig. Ich musste selten warten und alles verlief reibungslos. Ich litt kaum unter Nebenwirkungen. Ich hatte nach der Therapie Durst und nach etwas mehr als der Hälfte begann meine Haut gerötet und gereizt zu sein. Ich würde dies mit einem mittleren Sonnenbrand vergleichen und das ist doch eine recht simple Nebenwirkung im Vergleich dazu, was die Strahlen für mich und mein Leben leisten sollten. Die Bestrahlung wurde schnell zur Routine und war in keinster Weise schmerzhaft. Was für mich allerdings im Laufe der Wochen sehr belastend war, war die tägliche Konfrontation mit der Krankheit und das sich unser gesamter Tagesablauf darauf aufbaute. Das fand ich für mich belastender als die vorherigen Therapieeinheiten. Gerade mit meinen beiden Kindern musste einiges organisiert werden. So musste mein Mann morgens früher anfangen zu arbeiten, damit er zeitiger Feierabend machen konnte, um auf die Kinder aufzupassen, während ich ins Krankenhaus fuhr. Entsprechend musste ich morgens allein die Kinder zurecht machen und die Große zum Kindergarten bringen, was sonst mein Mann morgens mit erledigt hat. Nachmittags konnten wir keine Unternehmungen machen. Sonst hatten wir unseren Babytreff nachmittags, waren zum Spielen verabredet, gingen raus oder besuchten die Familie. Während acht langer Wochen war ich allerdings den Nachmittag nun im Krankenhaus und konnte so etwas nicht mit meinen Kindern machen. Wenn ich wieder zu Hause war, war es schon Zeit für Abendbrot und anschließend Bettzeit für die Kinder. Gerade die Zeit mit meiner dreijährigen Tochter fehlte mir, da sie vormittags im Kindergarten war und der Nachmittag doch eigentlich unsere gemeinsame Spielzeit war. Ich versuchte dies möglichst am Wochenende nachzuholen. Ich konnte das Ende dieser gesamten Therapie einfach irgendwann kaum noch erwarten, um endlich ein Gefühl von Alltag mit zwei Kindern zu bekommen. Und endlich war es so weit. Ich bekam die letzte Bestrahlung. Wir fuhren den gleichen Tag noch in den Urlaub und konnten kaum fassen, was wir in den vergangenen zehn Monaten erlebt hatten. Als ich meine Kinder abends zu Bett gebracht hatte und zurück zu meinem Mann ins Wohnzimmer kam, liefen mir Tränen über die Wangen. Es waren Tränen der Erleichterung, des Stolzes und der Freude, eine schwere Zeit so gut überstanden zu haben und nun in die Zukunft mit meiner Familie starten zu können!

Weiter ging es mit der Antihormontherapie.

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Eine Antwort auf „Die Bestrahlung“

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