Die Chemotherapie – dein Freund!

Meine Primärtherapie begann nicht mit der Operation, sondern mit der Chemotherapie. Am Anfang hört es sich erschreckend an, den Tumor weitere fünf bis sechs Monate in der Brust zu tragen. Doch diese Vorgehensweise fand ich großartig. Der große Vorteil ist ganz einfach, dass man sehen kann, ob die Medikamente anschlagen. Ich konnte quasi nach jeder Einheit spüren, wie sich der Tumor verkleinerte und im Ultraschall sehen, dass dieser zum Ende der Behandlung zu 80% geschrumpft war. Der Rest konnte dann in der Operation entfernt werden.

Aufgrund meines jungen Alters und der hohen Wachstumsgeschwindigkeit des Tumors, erhielt ich eine sehr aggressive Chemotherapie. Im Aufklärungsgespräch über die Chemo staunte ich nur, über die ganzen möglichen Nebenwirkungen und kam für mich zu dem Schluss, es einfach auf mich zukommen zu lassen. Wer nimmt schon Aspirin mit dem Gedanken, sicherlich auch an allen Nebenwirkungen des Medikaments zu erkranken, die im Beipackzettel aufgelistet sind? Warum sollte ich mir dann bei den Medikamenten der Chemotherapie darüber Gedanken machen? Nur eines war sicher – ich würde meine Haare verlieren.

Meine Chemotherapie begann mit einer Kombination von zwei Medikamenten, die mir alle zwei Wochen ambulant über ca. 4 Stunden verabreicht wurden. Dazu gab es in der Klinik und zu Hause eine ganze Menge Begleitmedikamente, wie Kortison und etwas gegen Übelkeit. Als ich das erste Mal die Chemotherapie erhielt, hatte ich doch ganz schön Respekt davor, was nun in meinem Körper passieren sollte und was die Medikamente in mir auslösen werden. Die Anspannung war riesig und die Gespräche der Mitpatienten verunsicherten mich. Das war der richtige Zeitpunkt, um mich mit Musik abzulenken und nicht auf die Gespräche zu hören. Die erste Einheit der Chemotherapie war für mich die Anstrengenste. Ich denke, dass es hauptsächlich an der Anspannung lag. Natürlich folgten einige Nebenwirkungen… Am Tag der Chemo bekam ich Migräne mit Übelkeit und leichten Schwindel. Ich war müde und konnte nicht richtig schlafen oder schwitzte. Die Nebenwirkungen begannen zu Hause und hielten für ca. 12 Stunden an. Danach wurde es schon deutlich besser. Ich habe mich über die gesamte Therapiezeit nicht einmal übergeben müssen. Nach der ersten Gabe hatte ich einige Tage mit Unwohlsein zu tun. Jeder sagte mir, dass die erste Gabe die Verträglichste sei und es mit der Zeit schlimmer werden wird. Ich versuchte mich davon nicht beeinflussen zu lassen und sagte mir, niemand weiß, wie dein Körper darauf reagieren wird.

Und was soll ich sagen? Es wurde nicht schlimmer! Im Gegenteil! Ich war nach jeder Gabe schneller wieder fit; hatte Routine bekommen und wusste, wie und wann ich mit Medikamenten reagieren musste. Ich konnte mein Leben ziemlich normal weiter leben. Noch faszinierender wurde es, nachdem die ersten acht Wochen rum waren.

Ich sollte nun ein anderes Chemo-Medikament erhalten und das wöchentlich. Dieses habe ich noch besser vertragen! Ich hatte nicht einen Tag Übelkeit oder ähnliches! Am Tag der Infusion war ich müde und hungrig. Das war’s! Das einzige was ich als sehr unangenehm empfunden habe, war das Kühlen der Hände und Füße mit Eispacks aus dem Tiefkühlschrank während der Infusion. Das war schon ganz schön schmerzhaft. Dafür bin ich allerdings tatsächlich von jeglichen Nervenschäden, die das Medikament häufig an Händen und Füßen verursacht, verschont geblieben. Ich bekam über zwölf Wochen montags meine Chemo, ging Dienstag morgen mit meinem Kleinen zum Babyturnen und fing an wieder Sport zu machen. Ich ging täglich spazieren und lebte mein Leben erstaunlich normal. Die Aussagen, es würde immer schlechter zu vertragen sein, trafen bei mir nicht zu!

Ich bin unendlich dankbar dafür! Ich konnte mich um meine Kinder kümmern und das erste Lebensjahr meines Babys trotzdem genießen. Ich war nicht bettlägerig, habe mich nicht übergeben, konnte mein Gewicht halten und einfach leben.

Ich weiß, dass es nicht jedem unter der Therapie so geht und das ich in dem Punkt unheimlich viel Glück gehabt habe. Ich glaube aber auch, dass die Einstellung und die Lebensweise massiv zum Wohlbefinden unter der Chemotherapie beitragen können. Mit zwei kleinen Kindern hatte ich weder die Zeit, noch die Lust, mich hängen zu lassen. Die Zeit, die wir haben, ist einfach zu kostbar dafür! Ich habe mich gesund ernährt, täglich bewegt, weder geraucht noch Alkohol getrunken und gut auf mich geachtet. Ich habe niemals das Wesentliche aus den Augen verloren und zwar, sich nicht von der Krankheit beherrschen zu lassen, sondern diese als kleinen Teil seines Lebens zu akzeptieren.

Wenn man sich über Chemotherapien informiert, erfährt man meistens nur etwas über massive Nebenwirkungen. Ich möchte hiermit zeigen, dass dies nicht immer die Regel ist! Ich habe die Chemo dankbar angenommen! Ich bin dankbar dafür, dass es solche Medikamente gibt! Endlich konnte ich etwas gegen den Krebs tun und das war ein gutes Gefühl.

Als nächstes stand die Tumorentfernung an.

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2 Antworten auf „Die Chemotherapie – dein Freund!“

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