Die Diagnose

Ich war im achten Monat schwanger, als ich unter der Dusche eine Verhärtung in meiner Brust bemerkte. Es war meine zweite Schwangerschaft und ich hatte bereits etwas Milchfluss. Entsprechend dachte ich, es würde sich sicher um schwangerschaftsbedingte Veränderungen handeln. Trotzdem berichtete ich wenige Tage danach bereits meiner Hebamme und meinem Gynäkologen von der bemerkten Veränderung. Da sich das Brustgewebe in der Schwangerschaft natürlich stark verändert, wurde der Verhärtung keine Aufmerksamkeit zuteil.

Nachdem mein Sohn geboren war, bemerkte ich, dass auch nach dem Stillen die Verhärtung immer noch deutlich zu spüren ist. Daraufhin ging ich wieder zu meinem Gynäkologen und drängte darauf, dass dieser bitteeinen Ultraschall meiner Brust machen solle. Ich hatte meine Tochter acht Monate lang gestillt und niemals vergleichbare Verhärtungen in der Brust gehabt.

Als der Arzt schließlich meiner Forderung nachkam, orderte er erst einmal weitere Untersuchungen und eine Überweisung an das Brustzentrum an. Dort wurde die Brust erneut beschallt, es wurde eine Mammographie und eine Stanzbiopsie gemacht. Der pathologische Befund bestätigte dann: “Ich habe Krebs!”

Mein Mann und mein Sohn waren mit in dem Raum, als ich die Diagnose bekam. Mein Kleiner war gerade fünf Wochen alt geworden und wartete bereits auf die nächste Stillmahlzeit. Im Kindergarten wartete meine zweijährige Tochter auf uns.

Der Arzt erzählte über die weitere Vorgehensweise und wir saßen völlig regungslos da. Niemand weinte oder verzweifelte…. Wir wollten einfach nur erfahren, was wir nun dagegen machen sollten. Wir bekamen einen Zettel voller Termine mit. Wir wussten zu dem Zeitpunkt nicht, wieweit die Erkrankung  eventuell schon fortgeschritten ist. Erst als wir raus gingen, fingen wir an zu begreifen, was uns nun bevorstehen wird und so kamen die ersten von vielen Tränen. Wir informierten unsere Familien. Meine Eltern brachen umgehend ihren Urlaub ab und kamen zu mir. Ich versuchte mich nicht verrückt zu machen und betete, dass die Krankheit noch im Frühstadium ist und gut behandelt werden kann.

Am folgenden Tag hatte ich bereits einen CT-Termin; auf das Ergebnis musste ich allerdings 10 Tage warten. 10 Tage warten, bis wir erfahren, ob sich bereits Fernmetastasen gebildet haben und eine Heilung somit ausgeschlossen ist. Während dieser Tage gab es allerdings einige andere Untersuchungen, bei welcher immerhin schon einmal festgestellt wurde, dass keine Metastasen in den Knochen vorhanden sind. Zudem sollte ich schon einmal mit dem Abstillen meines Babys beginnen, da auch bei einem lokal begrenzten Krebs eine Chemotherapie aufgrund meines jungen Alters angezeigt ist. Das abrupte Abstillen war grauenvoll. Ich habe die Zeit des Stillens geliebt. Nun war es das erste, was die Krankheit mir raubte-das erste, was Ärzte über mein Leben entschieden und vor allem der erste sichtbare Punkt, dass ich nicht in dem Umfang für meine Kinder da sein kann, wie ich möchte und wie sie es verdient hätten. Zudem hatte ich durch das Abstillen starke Schmerzen. So stark, dass ich mein Baby einige Tage nicht auf den Arm nehmen konnte. Ein paar Tage später wurden mir dann bei einer OP im Krankenhaus neun Lymphknoten entfernt. Es sollte geschaut werden, ob bereits Lymphknoten befallen waren, da dann der Tumor zu streuen angefangen habe. Für mich hieß es dann eine Nacht Krankenhaus noch immer in völliger Ungewissheit, wie es weiter gehen wird. Und endlich waren die 10Tage rum. Wir sollten zum Gespräch ins Brustzentrum. Wir erfuhren, dass noch keine Lymphknoten befallen waren und auch keine Fernmetastasen vorhanden sind. Eine Heilung ist möglich und wahrscheinlich.

Dieser Zeitpunkt meines Lebens lässt sich mit nichts vergleichen. Ich fühlte mich als hätte ich eine zweite Chance bekommen und wusste genau, jetzt wird alles gut. Jetzt werden wir die Therapie machen und ich versuche mein Leben möglichst normal weiter zu leben. Ich bekam einige Tage später in einer ambulanten OP noch einen Port unter die Haut transplantiert, der direkt in meine Hauptschlagader führte. Hierüber sollte dann die Chemo verabreicht werden. Mir war das alles egal -auch die Nebenwirkungen, die auf mich zukommen werden, waren mir egal – denn ich schaffe das. Ich werde für meine Kinder da sein können und leben!

Der nächste Beitrag befasst sich mit der Chemotherapie und wie ich damit zurecht kam.

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