Drei Worte – Sie haben Brustkrebs

Wenn Frauen in meinem Alter davon sprechen, dass drei Worte ihr Leben verändert haben, sind es wohl meist folgende: “Ich liebe dich!” oder “Sie sind schwanger!”
Die drei Worte, die vor ca. 14 Monaten mein Leben ordentlich auf den Kopf stellten, waren: “Sie haben Brustkrebs”.

Nachdem die Diagnose gesichert war, begann umgehend die Therapie, bestehend aus Chemo, OP, Bestrahlung und einer Antihormontherapie.  All dies hörte sich zu Beginn erschreckend an, doch ich habe diese Zeit sehr gut durchgestanden und sehr vieles durch die Erkrankung gelernt. Ich habe gelernt das Leben zu sehen – nicht einfach alles an sich vorbei ziehen zu lassen, sondern es wirklich zu leben und zu genießen. Ich durfte erfahren, wie viel Kraft die Familie einem geben kann und wie Glaube und Vertrauen einen stärker werden lassen.

Ich musste allerdings auch lernen, dass Außenstehende unsicher sind und nicht immer wissen, wie sie mit dem Erkrankten umgehen sollen. Ich musste lernen, dass einige Menschen so unsicher waren, dass sie sich von mir und meiner Situation abwandten und sogar den Kontakt abbrachen. Für mich waren solche Reaktionen schwerer zu ertragen als die Therapie. Natürlich war ich krank -schwer krank- aber immer noch ich. Die Krankheit war nicht mein Leben, sondern ein kleiner Teil meines Lebens und schon gar nicht ein Teil über den ich mich definieren lassen wollte. Und genau das ist der Grund, warum ich bisher noch keinen Blog geschrieben habe.

Nun nachdem die Primärtherapie abgeschlossen ist und ich meinen ersten Checkup einwandfrei überstanden habe, muss ich mir eingestehen, dass nicht die Angst vor Schubladendenken und falschen Definitionen mich davon abhalten darf, meine positiven Erfahrungen mit anderen Betroffenen und Interessierten zu teilen. Denn erst wenn das Bewusstsein in der Gesellschaft für Krebs geschärft ist, können auch verunsicherte Menschen lernen, wie man mit Betroffenen umgehen kann und dass Krebs nicht immer gleich das Ende ist.

Auf der anderen Seite haben mich Menschen überrascht, von denen ich es nicht erwartet hätte. So boten Bekannte Ihre Hilfe an, kamen mit Blumen vorbei und waren einfach da. Sie waren auf eine so angenehme und selbstverständliche Art und Weise da, wie ich es mir nicht vorstellen konnte. So haben sich ganz neue Freundschaften entwickelt. Zudem waren mein Mann und meine beiden Kinder wohl die Menschen,  die dafür gesorgt haben, dass ich selbst unter der Chemotherapie ein lebensfroher Mensch war und ich mich selbst nie als krank ansehen musste.  Was für eine große Stütze das für mich gewesen ist, lässt sich nicht in Worte fassen. Ich bin dafür unendlich dankbar und wünsche jedem Betroffenen von Herzen jemanden, der so für einen da ist, wie ich es erlebt habe!

Im nächsten Beitrag erfahrt ihr, wie ich mich fühlte, als ich die Diagnose bekam.

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4 Antworten auf „Drei Worte – Sie haben Brustkrebs“

  1. Was für ein wundervoller Text.Ich selber hatte 2012 das Ergebnis bekommen das ich Krebszellen an der Gebärmutter hatte.Zum Glück würde es Frühzeitig entfernt ohne das ich Chemo bekommen müsste und wir haben auch noch einen wundervollen Sohn bekommen.Meine Wrrte sehen sehr gut aus aber die Angst bleibt das es wieder kommt.Ich finde es so klasse das jemand über sowas schreibt da ich auch viele Erfahrungen sammeln konnte das Krebs für viele ein Tabuthema ist.Ich wünsche alles liebe und drücke die Daumen das die Werte in Zukunft immer gut sind 😃 Liebe Grüße auch an Malte.Ich bin früher mit ihm zur Schule gegangen.Ist aber auch schon ewig her.
    Vlg 💕

    1. Ganz lieben Dank und ich freue mich, dass dir der Text gefällt. Super, dass du auch alles gut überstanden hast und noch ein Kind bekommen könntest! Das stell ich mir auch sehr belastend vor, die Angst zu haben, dass man vlt. keine Kinder bekommen kann…. Ja, es ist schon verrückt, was für Reaktionen man zum Teil bekommt, wenn man erkrankt. Deswegen ist es mir wichtig darauf aufmerksam zu machen und vlt. kann jemand was aus meinen Erfahrungen für sich mitnehmen. Ich bin so dankbar dafür wie alles gelaufen ist! Liebe Grüße auch von Malte! Und dir natürlich auch weiterhin alles Gute! Mein Blog kann übrigens nun auch abonniert werden, sodass man eine Mail bekommt, wenn ein neuer Artikel online ist 😉 Hab einen schönen Sonntag! LG

  2. Liebe Kristin,
    es ist ganz toll das du so offen und auch zuversichtlich über deine Erlebnisse /Krankheit schreibst und damit bestimmt vielen anderen großen Mut machst…. Ich lese /höre das von dir nun zum ersten Mal und bin ein bisschen umgehauen und trotzdem freue mich sehr für dich und deine Familie, dass ihr dieses Hindernis gemeinsam so gemeistert habt und wünsche euch auch weiterhin alles Liebe 🙂 <3 LG, Kristin

    1. Hallo Kristin!

      Vielen Dank für deinen lieben Kommentar! Ja, wir haben dadurch sehr viel gelernt und Dankbarkeit hat für uns sicherlich noch einmal mehr an Bedeutung gewonnen! Da ich festgestellt habe, dass viele nicht so recht wissen wie sie reagieren sollen, ist es mir wichtig, einen Einblick in das Leben mit und nach der Erkrankung zu geben. Vlt. können dem ein oder anderem auch ein paar Ängste genommen werden, da die meisten Brustkrebserkrankung tatsächlich vollständig geheilt werden können. Hab einen schönen Sonntag und viele liebe Grüße!

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